Schellackplatten gehören aufrecht ins Regal, in säurefreie Papierhüllen und an einen kühlen, trockenen Ort – wer diese drei Regeln beachtet, schützt seine Sammlung vor Bruch, Verzug und Schimmel.
Viele Schellackplatten haben Jahrzehnte überstanden – oft nicht wegen, sondern trotz ihrer Lagerung. Sie lagen in Kartons im feuchten Keller, in hohen Stapeln auf dem Dachboden oder im Schrank direkt neben der Heizung. Wer heute eine Sammlung erbt, kauft oder aufbaut, kann es besser machen.
Das ist wichtig, denn Schäden durch falsche Lagerung lassen sich kaum rückgängig machen. Eine gebrochene Platte bleibt gebrochen, eine verzogene lässt sich nur schlecht oder gar nicht mehr abspielen. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Ihre 78er richtig aufbewahren – vom Regal über die Hülle bis zum Umzug.
Warum Schellack besondere Aufmerksamkeit braucht
Schellackplatten bestehen aus einem Naturharz, gemischt mit Gesteinsmehl und Ruß. Daraus ergeben sich Eigenschaften, die bei der Lagerung eine Rolle spielen:
| Eigenschaft | Was das bedeutet | Folge für die Lagerung |
|---|---|---|
| Spröde | bricht bei Druck oder Stoß, statt nachzugeben | nicht stapeln, nicht quetschen, beim Transport gut polstern |
| Schwer | eine 25-cm-Platte wiegt rund 170–230 g | stabile Regale, kleine Kartons |
| Wärmeempfindlich | das Material wird bei Hitze weich und kann sich verformen | keine Heizung, keine Sonne, kein Dachboden |
| Empfindlich gegen Feuchtigkeit | Papierhüllen, Etiketten und Schmutz bieten Schimmel Nahrung | trocken lagern, Luftfeuchtigkeit im Blick behalten |
Die wichtigste Regel: aufrecht statt gestapelt
Schellackplatten werden senkrecht gelagert, wie Bücher im Regal. Die Platten sollten eng, aber ohne Druck nebeneinanderstehen. So verteilt sich das Gewicht gleichmäßig auf die Kante, und keine Platte trägt die Last der anderen.
- Nicht schräg anlehnen: Platten, die über Monate schief im Regal stehen, können sich verziehen. Ist ein Fach nur halb gefüllt, helfen Buchstützen oder ein Plattenständer.
- Trennwände einsetzen: Bei großen Sammlungen verhindern feste Trennwände alle 15 bis 20 Platten, dass sich der Druck über die ganze Reihe aufbaut.
- Größen trennen: 25- und 30-cm-Platten am besten in getrennten Fächern lagern. Steht eine große Platte zwischen kleinen, liegt der Druck ungleichmäßig auf.
- Nicht flach stapeln: In einem Stapel trägt die unterste Platte das Gewicht aller anderen. Schon ein kleiner Krümel zwischen zwei Platten kann dann zu einem Riss führen.
Die richtige Hülle
Eine gute Innenhülle schützt vor Staub, Kratzern und dem direkten Kontakt mit der Nachbarplatte. Nicht jede Hülle ist dafür geeignet.
- Säurefreies Papier: Hüllen aus säurefreiem Papier mit Mittelloch sind ideal. Das Mittelloch zeigt das Etikett, sodass Sie die Platte nicht herausziehen müssen, um sie zu erkennen.
- Kein Weich-PVC: Hüllen aus weichem Kunststoff können Weichmacher abgeben und mit der Zeit an der Oberfläche haften. Sie sind für Schellack ungeeignet.
- Original-Firmencover: Die alten Papierhüllen der Plattenfirmen sind oft selbst ein Sammelstück, aber häufig säurehaltig und brüchig. Steckt die Platte zusätzlich in einer neutralen Innenhülle, bleiben Platte und Cover geschützt.
- Plattenalben: Historische Plattenalben und Mappen eignen sich gut zur Aufbewahrung. Gefüllte Alben sind aber schwer und gehören ebenfalls aufrecht ins Regal.
Passende Hüllen in 25 und 30 cm finden Sie in unserer Kategorie Plattenhüllen.
Das richtige Klima: kühl, trocken und gleichmäßig
Ideal sind etwa 15 bis 20 °C bei einer Luftfeuchtigkeit von 40 bis 50 Prozent. Noch wichtiger als die genauen Werte ist, dass sie gleich bleiben. Starke Schwankungen zwischen Sommer und Winter oder Tag und Nacht belasten Platten, Etiketten und Hüllen. Ein einfaches Hygrometer kostet wenige Euro und zeigt schnell, ob ein Raum geeignet ist.

| Lagerort | Geeignet? | Warum |
|---|---|---|
| Wohnraum, an einer Innenwand | Ja | gleichmäßige Temperatur, normale Luftfeuchtigkeit |
| Trockener, beheizter Keller | Mit Vorsicht | möglich, wenn das Hygrometer dauerhaft unter 55 Prozent bleibt |
| Feuchter Keller | Nein | Schimmel an Hüllen und Etiketten |
| Dachboden | Nein | Hitze im Sommer, Kälte im Winter |
| Neben Heizung, Ofen oder Fenster | Nein | Wärme und Sonnenlicht können Platten verformen und Etiketten ausbleichen |
| Garage, Gartenhaus | Nein | starke Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen |
Tipp: Stellen Sie Regale nicht direkt an eine kalte Außenwand. Dort kann sich hinter dem Regal Feuchtigkeit sammeln. Ein paar Zentimeter Abstand reichen meist aus.
Regale, Kisten und Plattenständer
Schellack ist schwer. Ein voll bestückter Regalmeter mit 25-cm-Platten wiegt schnell 40 bis 50 Kilogramm. Viele Bücherregale sind dafür nicht gebaut – die Böden biegen sich mit der Zeit durch, und die Platten stehen dann nicht mehr gerade.
- Massive Böden mit kurzer Spannweite: Je kürzer der Abstand zwischen den Stützen, desto weniger biegt sich der Boden durch.
- Regal an der Wand sichern: Ein schweres, hohes Regal sollte immer an der Wand befestigt sein.
- Unten schwer, oben leicht: 30-cm-Platten und volle Alben in die unteren Fächer, kleinere Bestände nach oben.
- Kisten nur als Zwischenlösung: Stabile Holz- oder Archivkisten eignen sich für den Übergang. Die Platten stehen darin aufrecht, und die Kisten werden nicht hoch übereinandergestapelt.
Umzug und Transport: Platten sicher verpacken
Beim Umzug gehen mehr Schellackplatten zu Bruch als in Jahrzehnten im Regal. Mit etwas Sorgfalt lässt sich das vermeiden.
- Hüllen prüfen: Jede Platte steckt in ihrer Hülle. Lose Platten dürfen sich nie direkt berühren.
- Kleine Kartons wählen: Lieber mehrere kleine, stabile Kartons als eine große Kiste. Ein Karton mit 25 Platten wiegt schon rund 5 bis 6 Kilogramm.
- Aufrecht und eng packen: Die Platten stehen senkrecht und dicht nebeneinander, damit sie nicht verrutschen können.
- Hohlräume füllen: Lücken oben und an den Seiten mit Luftpolsterfolie oder zerknülltem Papier ausfüllen. Im Karton darf nichts klappern.
- Deutlich beschriften: „Zerbrechlich – Schellackplatten – aufrecht transportieren“ auf mehrere Seiten schreiben.
- Hitze vermeiden: Kartons nicht im heißen Auto oder in der Sonne stehen lassen.
- Gleich auspacken: Am neuen Ort die Platten zügig wieder ins Regal stellen, damit sie nicht wochenlang im Karton lagern.
Typische Lagerfehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Platten flach in hohen Stapeln | Risse und Brüche bei den unteren Platten |
| Platten schräg angelehnt | Verzug, die Nadel springt oder der Ton leiert |
| Hüllen aus Weich-PVC | Weichmacher können die Oberfläche angreifen |
| Platten ohne Innenhülle | Kratzer, Staub in den Rillen, mehr Rauschen |
| Lagerung auf dem Dachboden | Hitze verformt die Platten |
| Lagerung im feuchten Keller | Schimmel an Hüllen und Etiketten |
| Überfülltes, schwaches Regal | durchgebogene Böden, ungleicher Druck |
Eine Sonderrolle spielen Selbstschnitt- oder Lackfolien, also privat aufgenommene Platten mit einer dünnen Lackschicht auf Metall, Glas oder Pappe. Sie sind noch empfindlicher als Schellack. Lagern Sie sie ebenfalls aufrecht, besonders kühl und getrennt von Ihren übrigen Platten, und behandeln Sie abblätternde Folien möglichst gar nicht selbst.
Checkliste: Schellackplatten richtig lagern
- Platten aufrecht, eng, aber ohne Druck ins Regal stellen
- Trennwände alle 15 bis 20 Platten, 25 und 30 cm getrennt
- Säurefreie Papierhüllen mit Mittelloch, kein Weich-PVC
- 15 bis 20 °C, 40 bis 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, möglichst konstant
- Kein Dachboden, kein feuchter Keller, keine Heizung, keine Sonne
- Stabile Regale mit kurzer Spannweite, an der Wand gesichert
- Platten nur am Rand und am Etikett anfassen
Fazit
Schellackplatten richtig zu lagern ist einfacher, als es klingt. Aufrecht, gut verpackt und an einem kühlen, trockenen Ort halten die Platten noch viele Jahrzehnte. Wer zusätzlich stabile Regale und säurefreie Hüllen nutzt, hat das Wichtigste bereits erledigt. Und bevor eine verstaubte Neuerwerbung ins Regal wandert, lohnt ein Blick in unseren Ratgeber Schellackplatten richtig reinigen.