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Schellackplatten richtig reinigen

Schellack-Plattenshop
2026-10-15 21:12:00 / Pflege / Kommentare 0

Schellackplatten richtig reinigen: So bleiben die Schätze aus Großvaters Zeiten erhalten

· @Andreas

Schellackplatten vertragen kein Reinigungsmittel mit Alkohol – wer das beachtet und sanft mit destilliertem Wasser arbeitet, kann die alten 78er gefahrlos von Staub und Schmutz befreien.

Ob vom Dachboden, aus dem Nachlass oder vom Flohmarkt: Schellackplatten erleben ein kleines Comeback. Die schweren Scheiben mit 78 Umdrehungen pro Minute wurden etwa von 1895 bis Ende der 1950er Jahre (in einigen Regionen bis in die späten 1960er Jahre) hergestellt. Viele von ihnen haben Jahrzehnte in Kellern und Kartons überdauert – entsprechend verschmutzt sind sie oft.

Das Problem: Schellack ist ein Naturharz, gemischt mit Gesteinsmehl und Ruß. Das Material ist spröde, empfindlich und reagiert ganz anders als Vinyl. Viele Tipps, die für moderne Schallplatten gelten, können eine Schellackplatte dauerhaft beschädigen. Dieser Ratgeber zeigt, worauf es ankommt.

Schellack oder Vinyl? So erkennen Sie den Unterschied

Nicht jede alte Platte ist aus Schellack. Gerade ab den späten 1940er Jahren gab es auch 78er aus Vinyl. Diese Merkmale helfen bei der Einordnung:

Merkmal

Schellackplatte

Vinylplatte

Drehzahl

meist 78 U/min

meist 33 oder 45 U/min

Gewicht (25 cm)

rund 170–230 g, deutlich schwer

leicht

Biegsamkeit

starr, bricht statt sich zu biegen

biegt sich leicht

Klang beim Antippen

heller, fast keramischer Ton

dumpf

Rillen

breit, mit bloßem Auge gut zu sehen

sehr fein

Vorsicht bei sogenannten Selbstschnitt- oder Lackfolien: Diese oft privat aufgenommenen Platten haben eine dünne Lackschicht auf Metall, Glas oder Pappe. Sie sind extrem empfindlich und sollten nur von Fachleuten nass gereinigt werden.

Die wichtigste Regel: Finger weg von Alkohol

Alkohol löst Schellack an. Genau deshalb wurde Schellack früher in Spiritus gelöst, um daraus Möbelpolitur herzustellen. Auf der Platte bedeutet das: Die Rillenwände werden angegriffen, die Oberfläche wird matt, und das Rauschen nimmt dauerhaft zu.

Das Tückische: Viele handelsübliche Plattenreiniger für Vinyl enthalten Isopropanol. Auch Glasreiniger, Brillenputztücher und Desinfektionsmittel sind tabu. Prüfen Sie daher immer die Inhaltsstoffe – oder greifen Sie zu einem Mittel, das ausdrücklich für Schellack freigegeben ist.

Ebenfalls ungeeignet sind stark alkalische Mittel wie Ammoniak sowie Wasser über Körpertemperatur. Wärme macht das Material weich und kann die Platte verformen.

Trockenreinigung: Staub sanft entfernen

Für leicht verstaubte Platten reicht oft eine trockene Reinigung. Sie ist auch vor jedem Abspielen sinnvoll.

  • Geeignete Werkzeuge: eine weiche Plattenbürste aus Carbonfaser oder Ziegenhaar, alternativ ein Samtpad.
  • Richtung: Immer kreisförmig entlang der Rillen bürsten, nie quer dazu.
  • Druck: Nur leicht aufsetzen. Die Bürste soll den Staub aufnehmen, nicht in die Rille drücken.
  • Abschluss: Die Bürste am Ende langsam seitlich von der Platte ziehen, damit der Staub nicht liegen bleibt.

Fettige Fingerabdrücke, Schimmelflecken oder festsitzender Schmutz lassen sich trocken nicht entfernen. Dann ist eine Nassreinigung nötig.

Nassreinigung Schritt für Schritt

Mit destilliertem Wasser, einem Tropfen mildem Netzmittel und etwas Geduld wird auch eine stark verschmutzte Platte wieder sauber. Testen Sie die Methode zuerst an einer weniger wertvollen Platte.

Das brauchen Sie: destilliertes Wasser (Raumtemperatur bis lauwarm), ein mildes Netzmittel ohne Alkohol (zum Beispiel Fotonetzmittel oder ein Spezialmittel für Schellack), eine weiche Bürste, ein fusselfreies Mikrofasertuch, einen Etikettenschutz oder zwei Plastikdeckel in Etikettengröße sowie einen Abtropfständer.

  1. Platte prüfen: Risse, Haarrisse oder abblätternde Stellen? Dann nicht nass reinigen – Wasser kann in die Risse eindringen.
  2. Etikett schützen: Die Papieretiketten dürfen nicht nass werden. Ein Etikettenschutz aus dem Fachhandel deckt sie beidseitig ab.
  3. Lösung ansetzen: Etwa 1 Liter destilliertes Wasser mit wenigen Tropfen Netzmittel mischen. Mehr Mittel reinigt nicht besser, sondern hinterlässt Rückstände.
  4. Auftragen und bürsten: Die Lösung mit der Bürste auftragen und in Rillenrichtung kreisend arbeiten. Kurz einwirken lassen, die Platte aber nicht einweichen.
  5. Gründlich spülen: Mit reinem destilliertem Wasser nachspülen, bis alle Rückstände des Netzmittels entfernt sind.
  6. Trocknen: Wasser mit dem Mikrofasertuch in Rillenrichtung vorsichtig abnehmen. Anschließend die Platte senkrecht im Ständer an der Luft vollständig trocknen lassen – ohne Föhn und nicht in der Sonne.
  7. Neu verpacken: Erst wenn die Platte ganz trocken ist, kommt sie in eine frische Innenhülle.

Plattenwaschmaschinen und Ultraschall: Was taugt für Schellack?

Plattenwaschmaschinen mit Absaugung eignen sich gut für Schellack – vorausgesetzt, Sie verwenden eine alkoholfreie Reinigungsflüssigkeit. Prüfen Sie vorher, ob Plattenteller und Absaugarm für 25- und 30-cm-Platten passen. Nach jeder Vinylreinigung mit alkoholhaltigem Mittel sollte die Maschine gründlich gespült werden.

Bei Ultraschallreinigern sind sich Sammler uneins. Die Schwingungen können vorhandene Haarrisse vergrößern, und das Wasserbad erwärmt sich im Betrieb. Wer es dennoch versucht, nutzt nur unbeschädigte Platten, kurze Durchgänge, kaltes Wasser und kein Alkohol. Bei wertvollen Einzelstücken ist die Handwäsche die sicherere Wahl.

Typische Fehler vermeiden

Die meisten Schäden entstehen durch Hausmittel, die bei Vinyl funktionieren oder im Internet empfohlen werden. Diese Übersicht zeigt, was Sie besser lassen:

Methode

Für Schellack geeignet?

Warum

Vinyl-Plattenreiniger mit Isopropanol

Nein

Alkohol löst die Oberfläche an

Glasreiniger, Spiritus, Desinfektionsmittel

Nein

enthalten Alkohol oder Ammoniak

Holzleim-Methode

Nein

kann beim Abziehen Material herausreißen

Spülmaschine oder heißes Wasser

Nein

Hitze verformt die Platte, Etiketten lösen sich

Leitungswasser

Nur mit Vorsicht

Kalk lagert sich in den Rillen ab

Destilliertes Wasser mit mildem Netzmittel

Ja

löst Schmutz, ohne das Material anzugreifen

Auch beim Abspielen lauert Gefahr: Eine Schellackplatte braucht eine passende Abtastnadel für 78er. Eine normale Vinylnadel ist zu fein, sitzt zu tief in der Rille und klingt schlecht.

Richtig lagern nach der Reinigung

Eine saubere Platte bleibt nur sauber, wenn sie richtig aufbewahrt wird.

  • Neue Innenhüllen: Alte, verschmutzte Papierhüllen ersetzen. Säurefreies Papier oder antistatische Hüllen sind ideal.
  • Senkrecht stellen: Platten aufrecht und eng, aber ohne Druck nebeneinander lagern. Hohe Stapel liegender Platten belasten die unteren Scheiben.
  • Klima: Kühl, trocken und gleichmäßig – etwa 15 bis 20 °C bei 40 bis 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. Dachboden und feuchter Keller sind ungeeignet.
  • Kein Sonnenlicht: Wärme und UV-Licht schaden Platte und Etikett.
  • Richtig anfassen: Platten nur am Rand und am Etikett berühren, nie auf der Rillenfläche.

Fazit

Schellackplatten zu reinigen ist kein Hexenwerk, verlangt aber Sorgfalt. Wer auf Alkohol und Hitze verzichtet, mit destilliertem Wasser arbeitet und die Etiketten schützt, macht wenig falsch. So klingen die Aufnahmen aus Großvaters Zeiten auch nach 80 oder 100 Jahren noch erstaunlich lebendig. Bei besonders wertvollen oder beschädigten Platten lohnt sich der Weg zu einem Fachhändler oder Restaurator.